Welten Logo
                





Über Welten online

Fragmente eines ganzheitlichen Lebens




RausGesang

Tantra meets - mietz Swinger



RausGesang


Im Chor, die Frauenstimmen, die Männerstimmen. Es ist herrlich. Singen ist einfach schön, ein Genuss für das Ohr und für die Seele ein Labsal. Und so einfach, so fließend selbstverständlich, jeder kann das – nur nicht ich.

Es tat weh. Die Chorleiterin hatte sich in der Tür am Saalausgang positioniert, um mich auf jeden Fall zu erwischen. Ich zog den schwarzen Hut vom Kopf bevor sie mich ansprach. „Hör mal,“ sagte sie, „ ich muss mit dir reden. Du hörst es einfach nicht und ich kann es dir nicht beibringen. Bitte suche dir einen anderen Chor mit einem anderen Niveau, einen für Einsteiger, einen, wo es nicht so darauf ankommt.“ Das Erleben während der Chorprobe hatte mich in gewisser Weise vorbereitet, dass sie es mir so direkt sagen würde, damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. An sich brauchte der Chor Männerstimmen. Wieso sollten sie mit einem Anfänger keine Geduld haben? Offensichtlich galt es abzuwägen: Die Zufriedenheit der Chormitglieder angesichts eines anderen, der mit seiner gesanglichen Unfähigkeit das Klangbild zerstörte, gegen die vage Möglichkeit, eine zusätzliche Männerstimme ausbilden zu können. Doch meine Stimme störte einfach, passte nicht. Nimm deinen Hut und geh!, sprach es in mir. Ich hatte es gespürt, hatte diese in der Luft, besser im Klang liegende Aufforderung wahrgenommen. Man wollte mich nicht. Wieder wollte man mich nicht. Die Kräfte, die an mir zehrten, waren enorm. Ich ließ sie über mich ergehen, abtropfen wie Regenperlen auf öliger Haut. So nicht, wäre trotzig, was ich nicht empfand, vielmehr: War ich wirklich gemeint? Galt es vielleicht genau diesen Widerstand gegen meine Stimme, meinen Klang auszuhalten? Ich stand damit allein und zwar ganz plötzlich allein auf der Bühne und hatte zu singen, vorzusingen. Die anderen lauschten, sie hörten, was da als Klang aus mir heraus kam und das war ich. Meine Stimme war ich war meine Stimme. Es gefiel ihnen nicht, was sie hörten. Sie lehnten mich ab, fanden mich unmöglich, schlecht und das Schöne kaputt machend. Ich war unangenehm, eine Zumutung, ein klanglicher Mißstand, der das allgemeine Wohlbefinden störte und abgeschafft zu werden hatte. Merkte ich es denn nicht selber? Doch, ich hörte es. Zwar hörte ich es nur ganz schwach und leise, dass ich stimmlich daneben lag, während ich sang und mein Klang, der mir nächste, mich einnahm. Aber, obwohl ich mich bemühte, den Ton der anderen zu treffen, gelang es mir nicht. So, als ob ich nicht in der Lage war, den Zeige- und Mittelfinger von den beiden Äußeren, dem Ringfinger zusammen mit dem kleinen Finger, abzuspreizen. Offensichtlich bedurfte es einiger Übung, den Klang der Stimme willentlich in Höhen und Tiefen lenken zu können.

Dass ich eine solche Ausbildung der Stimme nicht genossen hatte, ich also nicht einer Familie entsprang, in der Musik zum lebensalltäglichen Miteinander zählte, schmerzte, weil die andern mich deshalb auf sublime Weise ablehnten. Sie wollten nichts mit mir zu tun haben und ließen mich ihr Missfallen an mir spüren. Mir kam das bekannt vor. Zumindest erkannte ich nun diese aus dem klanglichen Hören erfolgende Ausgrenzung. Die akustische Harmonie war absolut. Sie diktierte und unterwarf sich alle oder aber warf sie als unpassend hinaus, wie ein Stück Dreck oder ein falsches Funktionsteilchen im Getriebe des musikalischen Gesamtzusammenhanges. So etwas gab gab es auch anderswo, mehr oder weniger hochspezialisierte Gruppen, zu denen ich einfach nicht gepasst hatte und in denen dieselbe Ausgrenzungsmechanik zum Wirken kam, wo man mir unmissverständlich zu verstehen gegeben hatte: Du passt hier nicht rein, wir wollen dich nicht, hau ab!

OK, es machte ja wahrlich keine Freude, den anderen die Freude zu verderben. Ein Genuss-Decrescendo zu erzeugen, wie moderat auch immer, weil im Achteltakt tiefer bis zur durchgehaltenen vollen Bassnote, der Einsatz und der Wechsel einfach zu spät oder zu früh hörbar herausfiel und den sauberen, um nicht zu sagen den absoluten Klang vermanschte.




Tantra meets - miez Swinger


Es ist eine bestimmte Szene, die ich dem Regisseur vermitteln möchte, ob er vielleicht Gefallen an ihr findet. Eigentlich sind es sogar zwei Szenen und da gilt, wo zwei sind, werden es mehr und noch mehr Szenen, die dann zusammen genommen eine Geschichte erzählen. Ebenso rufen die gesellschaftlichen Klassenschichtungen, wie bei einem Gewitter die kalten und warmen Luftströmungen, Weiter- und Fortentwicklungen, Modifikationen und Abspaltungen von der einen ursprünglichen Originalszene hervor. So läßt sich entdecken, dass das, was sich als Neo-Tantrische Bewegung, als westliches Tantra versteht, seinen direkten Ursprung in der Wiederentdeckung der Liebe bei den Hippies hatte. Die Hippie-Bewegung wiederum hat ihre Vorläufer, die freilich im Orkus der Geschichte versanken, z.B. die Monte Verita Leute um die Jahrhundertwende. Genauso hat die Swinger-Bewegung ihre Vorläufer, versteht sich.

Mein Blick hin zur Swinger Szene kommt aus der mir vertrauten, tantrischen Perspektive. Ich fragte mich, was sind die Unterschiede und was macht das Wesentliche der Swinger aus? Auf der Tanzfläche des Swinger Clubs traf ich einen alten Bekannten. Daniel kannte ich von einem Tantra Workshop und so kam ich auch sogleich mit seiner Polypartnerin Karen ins Gespräch. Überhaupt, ich versuchte in Kontakt und ins Gespräch zu kommen, stellte mich vor und fragte nach dem Namen. Meist kam eine freundliche Reaktion, angesprochen worden zu sein und in Kontakt mit jemanden zu kommen, dann aber tauchte sofort, zumindest bei mir, das schamvolle und nur mühsam unter die Oberfläche gedrückte Begehren, sprich meine Geilheit. Natürlich lag das an diesem Ort, diesem Swinger Club als solchem. Die zurück gedrängten vor allem die sexuelle Richtung nehmenden Fragen : Was willst du? ... Willst du? ... Wie willst du es? ... Wer bin ich für dich? ... Wer bist du für mich?, konnte ich mit Karen und Daniel eher symbolisch in den Bewegungen beim Tanzen beantworten. Sie waren ganz leicht und locker, freudig und unbefangen. Ja, Karen und Daniel kamen aus dem Hippy-Lager und nicht aus der geschäftskonformen Alltagsmühle. Nach diesem Tanz hätte ich mir in einem Tantra-Workshop gut vorstellen können mit ihnen ein Massage-Ritual zu machen. Ich stellte mir vor, das echte Swinger darüber nur lächeln können, es abtun als wischiwaschi und Firlefanz.

Wie sooft bei derartigen Events waren nicht so viele, mich ansprechende Frauen gekommen, so dass meine First Lady auf der Heiratsliste längst feststand. Ich sah Männer rumlaufen und suchen, kaum dass ihr neutrales Entdeckertum bezüglich der Erkundung der Räumlichkeiten ihre geile Umtriebigkeit zu verdecken mochte. Auf der Suche nach Sex, nach einer Partnerin, nach Haut und Fleisch, die sie berühren konnten und Frauen, die sie und ihren Körper wahrnahmen, suchten sie rastlos nach der ultimativen Sex-Action hinten im Separée links auf der roten Leder-Spielwiese, verdeckt von einem transperenten Schleier in rot. Auf der anderen Seite dieser hinteren Separée-Räumlichkeiten entdeckte ich einen Whirlpool und Duschen, Handtücher und auf einem Tischchen dezent anbei in einem Schälchen Kondome. Erst war ich alleine, später fanden sich noch andere Frauen und Männer ein mit denen ich, immer wieder von meinen Ausflügen in den Club und auf die Tanzfläche zurückkommend zu diesem Jungbrunnen, unbekannter Weise Hautberührungen erlebte und wo es zu einwenig unverfänglichem Plaudern kam. Eine ältere Blondine ließ mir jedoch die ganze Breitseite ihrer Abneigung und Verneinung rüberwachsen. Ich sei ihr unangenehm, verstand ich, aber was sollte ich tun? Ihrem Gustus nach, sollte ich nicht sein, zumindest nicht mit ihr und ihrem Freund und ihrer Freundin in diesem Whirlpool. Natürlich blieb mir dann nur diese, ihre Freundin, eine alt gewordene, zur Magna Mater aufgestiegene hippiejung gebliebene Oma. Ihr und einer weiteren Frau dieses Kalibers, die ebenso zu uns vieren ins intrauterin warme Pool stieg, legte ich jeweils ungesehen Unterwasser meinen Arm um die Hüften, ja, und hielt ihnen dann das Kreuzbein, so als wandte ich einen Cranio Sacralen Griff an. Ich spürte deutlich ihre Becken-Energie-Zentren so als wären es Kugeln, Sterne in der Galaxis des Seins, jeweils mit ihrer eigenen Gravitationskraft und jeweils mit ihrer eigenen Geschichte, ihrem Leid und Schmerz. Das war eine ganzheitliche Öffnung, die das Sex-Chakra selbstverständlich mit einbezog und darum durch geheimnisvolle, verbotene und dunkle Sphären glitt, wie ein Raumschiff auf weiter Fahrt. Ich selber war bis zur Nasenspitze im ursuppenwarmen Whirlpool versunken und lauschte hinter das dröhnende Monsterbrausen der Whirldüsen: Eine weite Leere in deren Stille Klangtropfen eine sphärischen Himmelsmelodie traurig und frisch zugleich Klangfarbentupfer malten.

Zurück auf der Tanzfläche fielen mir zwei “bild”-schöne Blondinen auf. Hochhakig, adrett kurzes Sommerkostüm, also geschäftskonform förmlich und derart der Gegenpol zu den Hippies? Aber was hieß das für die Swinger? Auch ihnen stellte ich mich vor, kam ins Gespräch mit der von mir favorisierten Schönen, die quasi meine erste Wahl darstellte, dicht gefolgt von ihrer Freundin. Deren eher durchsichtiges Vorhang-Kleid, so knapp wie ein Minirock, ließ einen prallen Hintern sehen, der meine Aufmerksamkeit auf das Band ihres StringSlips lenkte, weil ich die zwei prachtvollen Hälften ihres runden Arsches gleichzeitig mit meinem Blick umfangen wollte. Auch sie war wunderschön, keck und gewitzt, kleiner von der Statur her. Lachend grüne Augen gaben dieser vollendeten Mama Tussie jene Unwiderstehlichkeit, die so manchen Schlag, manche Gemeinheit, manches ihrer Sado-Maso Spiel verzeihen ließ. Welche nun von diesen beiden willst du?, war eine sich aufdrängende Frage, die unweigerlich zu der Antwort führen mußte: Beide und zugleich. Offensichtlich rief das nun ihren Partner auf den Plan. Sie hatten einen Freund. Der entscheidet, was geschieht, dachte ich sofort. Ist er euer Zuhälter?, fragte ich nicht, auch dachte ich es in diesem Moment nicht, denn vielmehr wollte ich wissen, was sie kosten? Und da ich nichts hatte, kein Cash dabei, ging ich geschlagen auf Distanz. Als ich wieder näher kam, entspann sich im Lärm der Disco-Musik auf der Tanzfläche ein Gespräch mit ihnen. Die Blonde erster Wahl, erzählte mir mit ihrer klaren, deutlichen Stimme etwas, so dass ich offensichtlich aufgrund anderer Triebimpulse nicht mehr folgen konnte – ich wußte nicht mehr, was sie gesagt hatte, sondern war ganz eingenommen von ihrem Decoltée. Sie reagierte prompt: Sie wandte sich ab von mir, sprach zu den anderen beiden und auf mich deutend verwarf sie mich als einen Blödmann, als einen dummen Tropf. Noch stand ich bei ihnen, dann wurde der Abstand immer größer, jedes Wort, jede kommunikative Annäherung wäre vergebliche Anbiederei aus Angst vor dem Verlust, vor dem Verworfen und Verlassen Werden gewesen.

Ich entschwebte ihnen quasi und nahm ein erneutes Whirlpool Bad mit ganz eigenen Begegnungen und Gefühlen. In den Tiefen des Whirlpools erinnerte ich, diese Art der weiblichen Verwerfung kannte ich. Sie war so total und vernichtend, dass sie insbesondere meinen Akne-pickligen Jungen der Pubertät traf, der nun rausgeflogen aus seiner Peer-Group allein da stand. Hätte ich weinend zu Mama laufen sollen? ... Das intrauterine Whirlpool war der ultimative Hort der Heilung, der Genesung, der Wiedergeburt.

Als ich wieder auf die Tanzfläche kam, also durch den roten Vorhang der Separée Räumlichkeiten trat, sah ich die Blonde erster Wahl auf mich zu an mir vorbei schlüpfen. Was sei, fragte ich sie und sie erklärte mir, sie wolle ihrer Stöckelschuhe wieder anziehen, dabei hatte sie sich schon auf den Rand der Tribüne gesetzt und zog sich den einen Stöckelschuh an. “Oh, dabei helfe ich dir gern”, sagte ich schnell und unverhohlen anzüglich, denn ihre nackten Schenkel ... “Wo ist der andere Schuh?” - “Hier!”, gab sie wie selbstverständlich und als kannten wir uns schon lange zurück, wobei sie mir den zweiten Stöckelschuh hinter sich suchte. Ihr Oberkörper drehte sich dabei die Asana einer bestimmten Yoga-Stellung zur Stärkung der Brustwirbel, was die Ästhetik ihrer Figur besonders hervor hob. “Das ist hier quasi wie im Märchen”, meinte sie lächelnd zu mir als sie sich zurückdrehte und mir ihren Stöckelschuh in die offene Hand legte, “das Märchen, wo die Prinzessin ihren Schuh verliert. - “Oh Schneewitchen und Rosenrot bei Frau Holle,” gab ich gleichfalls gebildet zurück, dabei versuchte ich mich durch meinen Blick in die Tiefe zwischen ihre Schenkeln zu laben, natürlich heimlich und verschämt, denn es war so verboten, es so ganz offen zu machen, was ihr ein leises Lächeln abrang, so dass ich versuchte, nicht zwischen ihren Schenkeln zum Stöckelschuhanlegen zu stehen zu kommen, sondern weniger aufdringlich und offen lassend, neben ihr, was den verheimlichten Blick unter meinen niedergeschlagenen Augenwimpern nicht hinderte, forschend hinein zu gleiten. Sie genoß es. Das sollten die Leute sehen. Sie stand auf, als wollte sie sagen: “Schaut, wie ich ihn peitsche und wie er kriecht und winselt, weil er mich lecken will.” Die Übermächtigkeit der Frauen, dieser Frau, die mit mir machen konnte, was sie wollte, denn schaut nur! Sie setzte sich wieder, öffnete nicht ihre Schenkel, sondern zog den nackten und von mir zu bekleidenden Fuß an sich heran, so dass ich ihre Schenkelinnenseite streichelnd mich hinunter beugte, um ihr den Schuh anzulegen. Oh, wie gewagt, wie nah, wie gefährlich erregend. Sie ließ sich nichts anmerken, aber es war eine köstliche Filmszene, eine die die menschliche Geilheit im Zusammenspiel von Mann und Frau fast sezierend zeigte.

Sie stellte mich bloss, zeigte mich den anderen mit meinem Verlangen, sie verspottete mich, belächelte mich und öffnete nur leicht ihre Schenkel in die dunklen Tiefen in denen ihre Muschi lockte, so dass ich wehrlos dahin schmolz.

Nachdem ich ihr den Schuh angezogen hatte, was einfach ein Gefriemel war und ihre Geduld erschöpfte, weil, es verdarb ihr die Filmszene, was sie aber entschied, beiseite zu drücken, denn an der Bar lockte ihr Freund und ihre Freundin, wie ich später mitbekam ... und fertig, schon war sie entschwunden.

Ich kam gar nicht auf die Idee ihr nach zur Bar zu folgen. Ich kannte ihren Typen nicht, auch wenn er nicht unsympathisch gewirkt hatte als wir auf der Tanzfläche ein paar Worte und Augen-Blicke wechselten. Stattdessen bemerkte ich einen anderen, keck und lustig einen als Freak-Urlauber gekleideten Mann, den ich irgendwie überhaupt nicht für voll nahm, eben so einer, der leicht locker durchs Leben kommt als sei er im Dauerurlaub. Schon stand er bei ihr, hinter ihr. Eben hatte ich mich noch als Stöckelschuh Helden gesehen, der eine glämeröse Kino-Szene hingelegt hatte, was sie unweigerlich für den Rest des Abends zu meiner Frau machte und da kam dieser Filou, dieser Typ, stand hinter ihr. Sie ging nicht weiter auf ihn ein, auch der Freund neben ihr an der Bar blieb still und nahm keine weitere Notiz. Ich traute meinen Augen nicht. Alles lief weiter wie bisher, die Leute blieben nicht stehen, niemand schaute, nur ich schien es zu sehen, dies Unmögliche, dies absolut schamlos verbotene amoralische unsittliche Geschehen: Er legte seine beiden Hände auf ihre Hüften und stand hinter ihr. Seine Hände ruhten da auf ihren Hüften und nichts geschah, nichts. Sie saß auf dem Barhocker, vor ihr stand ihre Freundin im roten Schleierkleid und sie quatschten mit ihrem Freund. Dass der das nicht sah, er sah es doch machte er nichts. Sah er denn nicht diesen ultimativen Kraftstrom der erotisch Potenz dieses anderen Mannes? Sie beugte sich vor. Er rieb mit dem Daumen ihre Hüften genüßlich, dann ging er einen kleinen Schritt zurück, öffnete seine Sommerhose und holte seinen Schwanz raus, meinte ich undeutlich zu sehen. Er drehte ihre Hüften langsam und unwiederstehlich höher, so dass sie auf dem Barhocker etwas weiter nach hinten rutschte, dann lehnte er sich an sie. Nichts passierte. Ich schaute wie heimlich, auf der Tanzfläche tanzend, durch die Bewegungen zweier Frauen, ihrer schwingenden Arme und Hüften, hindurch auf dieses Geschehen. Das nächste was ich sah, war, dass sie ihrem Freund vor ihr die Brust steichelte, ihn küsste, während er hinter ihr sie hielt. Ihre Hand fuhr hinunter zu Hose des Mannes vor ihr, sein Reisverschluss, sein Hosenschritt, seine Eier, sein zu befreiender Schwanz. Sie rieb ihn, knete ihn durch die Hose hindurch, dann holte sie ihn raus, zog kurz und bündige seinen Reisverschluß hinunter, suchte und fand ihn, ergriff ihn und holte ihn raus. Sie beugte sich noch tiefer hinunter, ihr Hintern rutschte noch höher, die sie an den Hüften haltenden Hände hielten sie, während er vor ging mit seinem Becken, langsam kippte er es nach oben, ganz langsam, während sie vorne an seiner Brust mit ihrem Kopf und den blonden Haaren hinunter rutschte zu seinem Lingam, den hart und steif weich ihre rechte Hand hielt, dann lutschte sie ihn, sie schleckte an seiner Eichel, ja, und reckte sich mit ihrer Zungenspitze zu jenem schmalen Hautbändchen, das seine Vorhaut hielt, nur um dann aufzuhören und hinüber auf die Tanzfläche zu schauen, hin zu mir, hin zu meinem Lingam, was der denn so mache.

Oh, was war das für eine Schlampe? Sollte ich mich etwa hinter ihm anstellen? Oder zu ihr kommen, um auch ihr meinen Schwanz zum Lecken hinzuhalten? Bei Fellini war daraus eine surreale Zwischenszene entstanden und zwar so: Ich ab durch den roten Samtvorhang zum Whirlpool in dem nun mehr eine Frau und ein Mann lagen, wodurch ich mich wieder reichlich überflüssig erschien. Ja, ich habe nun mal diese Muster, diese Verhaltenskonditionierungen, die besagen: Eine Frau, ein Mann. Wie soll das denn auch gehen mit zwei Männern, wohl auch noch gleichzeitig? ... Als wäre die Bar-Szene nie gewesen. Wieso? Weil solche Frauen gibt es kaum. Sie sind wie Perlen selten, ja, noch viel seltener, denn es gibt so viele Perlen, aber solche Frauen? Vorne lecken und sich von hinten nehmen lassen. Oh, welch Hingabe? Welch Hingabe an das Leben, an die männliche Energie, an die Lust und an das Lust Bereiten, um nicht zu sagen höchste Lüste, die bereitet werden können, wollen, gelebt, durchgefickt sein wollen, vielleicht nicht gerade durchgefickt, weil diese stramme Potenz ist doch Cocain, eine Cocain Potenz? Oder? Oder wieso könnt ihr so lange ficken, ohne abzuspritzen? Das geht doch gar nicht. Also mir kommt es dann immer irgendwann ziemlich bald, vielleicht nicht unter solchen Umständen, mag ja sein, aber eben im Normalfall.

Wie auch immer, solche Frauen, zumal so jung, aufgeweckt und schön, gibt es selten, ja, weniger als selten. Um das klar zu stellen: Mit solch einer Frau meine ich eine, die es liebt, mit mehreren Männern gleichzeitig zusammen zu sein, eine, die nicht gleich kreischend davon läuft damit, dass das ein absolutes No-Go, eine schamlose Unmöglichkeit und eine bodenlose Verwerflichkeit darstelle. Freilich, ich habe andererseits keine Ahnung von dem Millieu, in dem das zum Berufsalltag gehört?

Im Whirlpool kam mir in den Sinn, dass sich diese zwei Frauen und zwei Männer gleichfalls von so etwas, wie einem Tantra-Workshop kannten. Sie hatten es verstanden, für mich solch eine Kino-Szene mit dem Höhepunkt des alle Männer befriedenden Weibes zu inszenieren: Woah! Das war ein Hingucker! Super! Welche Schamlosigkeit noch demaskiert im Café Deutschland von Immendorff die Tabus der so feinen Anstandsgesellschaft? Der Tabu-Bruch war das ultimative Instrument des Klassenkampfes und zwar, weil er gewaltlos so voller Liebe zu schlug. Gezeichnet waren die Manager und Hotelreisenden Erster Klasse, denn die hatten mehr Zeit, wenn sie nicht gerade im Kreativitätsrausch am Schaffen waren. Genau solch eine Szne wollten sie eigentlich ging das bei den Empfängen und den Pool-Parties sowieso ab zumindest in der männlichen Fantasie, nur keiner getraute sich, bis diese vier kamen, bis sie es ihnen zeigten, wie es geht, wie es wirklich geht.

Es war noch nicht lange her als sie eine besondere Einladung zum Geburtstag auf ein Anwesen bekamen, eine riesen Villa in einem riesen Park auf einem Island vor Seattle. Wer hätte gedacht, dass das aus dieser Richtung des Gesellschaftskampfes kam und nicht aus Mailand, wo andere Partys gefeiert wurden.

Wie dem auch war, der andere Typ hatte anstatt meiner diese Frau gefickt. Ich war eifersüchtig und neidisch, aber er hatte nur das getan, was ich selber tun wollte. Er war quasi mein Protagonist, mein Stellvertreter in diesen Dingen, in denen ich nicht so männlich potent, stark und kräftig und ausdauernd, geduldig ausdauernd bin, ohne freilich dabei weniger bestimmt und durchdringend zu sein.

Derart getröstet verließ ich das Bad und bald darauf den Club, der Abend war für mich gelaufen. Ich mochte einfach nicht länger bleiben. Ich wollte keine weiteren Bekanntschaften machen, z.B. mit einer in schwarze Seidenstrümpfe gekleideten Lady, am Rand stehend gelehnt an einen Pfosten, dabei die Tanzenden beobachtend und sehend, dass ich da längs kam. Ihr Blick traf mich. Er fragte, ob ich wolle. Ja, ihr Blick fragte das in ihr und ich sah zu, dass ich weiterkam, denn mit der wollte ich nicht. Eigentlich war ihr Blick jedoch einer, der fragte, ob ich mich getrauen würde, sie zum “Tanz” aufzufordern, zum Tanz. Nein, eben nicht zum Tanz, sondern ins Separée. Heute, wo ich dies schreibe, bewundere ich den Mut dieser Frau. Sie stand da einfach so in ihrem schwarzen Auffreißer und guckte mich an. Sie stand im wahrsten Sinne zu Ihrem Bock, ihrer Lust auf einen Mann, auf einen Schwanz. Dieser Offenheit, dieser Direktheit der ansonsten schamhaft weggedrückten Triebe und verleugneten Wünsche war ich einfach nicht gewachsen. Entweder brauchte ich dazu enthemmende Mittel oder aber in vertrautes, intimes Verhältnis, am besten beides zusammen. Wenn es also dieser erste Blick, diese ganz offene und durch den Ort und die Situation auf Sex verengte Begegnung war und zwar weder angeleitet durch eine Tantra-Meisterin oder Tantra-Meister, die einem sagen, was gegetan werden soll, so war es noch immer die Begegnung von einander fremden Personen in mitten des grellen Scheinwerferlichts auf der inneren Bühne des Ich-Erlebens.

Später schien mir, die Swinger lieben nicht nur das theatralische Durchspielen sexueller Fantasien im öffentlichen Raum, sie lieben vor allem das Neue, das Unentdeckte, das Fremde. Gerade der Unbekannte, der aus einem sozialen Nichts auftaucht und sofort zu einem intimen Gegenüber wird, weil Sex den Raum bestimmt, hat es in sich, denn nicht nur alles ist möglich, sondern das Unmögliche möglich bei diesem Spiel aus Nein und Ja, aus Ablehnung und Zuwendung, aus Verwerfung und Hingabe. Will ich? - Dann mach! , heißt es. Mir selber fehlt es dazu an Entschiedenheit, an Wollen, an Kraft. Woher habt ihr die einfach so oder wie geht das so so so ... Verstehe, es ist alles eine Sache der Beziehungen, nicht zu letzt zu sich selbst. Verstehe!

Und wieder komme ich zu dieser nun mehr fast traumatisch anmutenden Szene mit der blonden Schönheit, die eben noch mein war, und sehe sie wieder den Schwanz ihres an die Bar gelehnten Freundes lutschen, während der andere langsam in sie eindringt und sie ganz ruhig und rhytmisch genüßlich vögelt, wobei sie ihren Po anhebt und hin zu ihm schiebt.

Woher haben sie diese Kraft? Bin ich selber so gehemmt und schamhaft meine Lust und Triebimpulse zurückhaltend, dass ich nicht der hinter und der vor ihr bin? Inzwischen bin ich mir sicher, dass es sich bei ihnen um eine Sexfilm-Gruppe handelt, um solche, die so etwas professionell machen.

Zudem, diese, meine Ohnmächtigkeit, mein Unvermögen zu ihr hin zu gehen, während ihr Typ da neben ihr steht, sie an den Hüften anzufassen, einfach nur meine Hände auf ihre Hüften legend, nichts weiter und zu spüren, was passiert? Was geht ab? Was macht der Typ? Was macht sie? Wie reagiert sie? Sie könnte doch schreien und ihr Typ wäre genötigt zu reagiern, wäre genötigt, um sie zu kämpfen, um sie zu retten, um sie zu beschützen. Doch sie schwieg. Schwieg sie, weil sie genau einen solchen Kampf nicht wollte? Weil sie nicht wollte, dass sie sich umbringen, wegen ihr, wegen ihrer heißen, verlangenden, geilen Muschi?

Oder war das sowieso alles nur Fake, weil sie sich kannten und weil sie es immer so machten, eben wie im Film, wie auf der Bühne?

Wie auch immer, für mich war der Abend vorbei. Der Sinn war mir genommen, ein anderer verwirklichte ihn für mich an meiner Stelle. Es gehörte quasi zu meiner Statisten-Rolle zu gehen und ich ging, nicht ohne noch eine Runde auf dem Karussel gedreht zu haben.














icon_printerPrint


Über Welten online






Welten Logo